Neues aus der Erholungsforschung

Nicht-erholt zur Arbeit macht doppelt müde

Arbeit fordert ein gewisses Maß an Anstrengung und ermüdet daher mit der Zeit. Geht man müde zur Arbeit oder gönne sich zu wenig Pausen während der Arbeit, so muss man gegen die erhöhte Müdigkeit durch größere Anstrengung "ankämpfen", was doppelt ermüdet: durch die Arbeit, und durch das Ankämpfen gegen die Müdigkeit. Daher geht jemandem, der erholt ist und auf Erholung während der Arbeit achtet, die Arbeit leichter von der Hand - und er oder sie ermüdet weniger rasch.
Meijman, T. F. (1997). "Mental fatigue and the efficiency of information processing in relation to work times." International Journal of Industrial Ergonomics 20(1): 31-38.

Naturerleben fördert Erholung

In den frühen 1980er Jahren machte der Geograph Roger Ulrich eine bemerkenswerte Beobachtung: Patienten, die aus ihrem Krankenzimmer Bäume sahen, zeigten eine raschere Genesung nach einer Gallenblasenoperation als jene, die "nur" die gegenüber liegende Hauswand sahen. Seit dieser und ähnlicher Studien gilt als erwiesen, dass Naturerleben unser Gemüt beruhigt und Erholung fördert. Dies liegt daran, dass Formen und Eindrücke aus der Natur unsere Aufmerksamkeit auf zwanglose, "natürliche" Art binden - sie "faszinieren" - und dadurch Gedanken an die Arbeit in den Hintergrund treten lassen - dadurch wird Erholung möglich. Ein (kurzer) Spaziergang im Park, durch den Wald oder über Wiesen ist damit einer der wirksamsten Erholungsaktivitäten.
Ulrich, R. S. (1984). "View through a window may influence recovery from surgery." Science 224(4647): 420-421.

Je größer die Arbeitsbelastung, desto länger dauert die Erholung

In einer jüngst veröffentlichten Studie gelang es uns (Medizinische Universität Wien) als einer der weltweit ersten, einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und Erholungsdauer nachzuweisen. Untersucht haben wir dabei Medizinstudenten in den Tagen während und nach ihrer großen Jahresprüfung. Im Durchschnitt brauchten die Studenten 6 Tage, um sich von dieser Prüfung wieder vollständig zu erholen. Dabei war die Erholungsdauer abhängig vom Ausmaß der Verausgabung während der Prüfungsvorbereitung. Während weniger beanspruchte Studenten sich bereits nach 5 Tagen erholt hatten, brauchten hochgradig beanspruchte Studenten bis zu 8 Tagen! Phasen intensiven Arbeitens erfordern somit oft mehr Erholung als es ein Wochenende zu bieten vermag, will man nicht Montag noch erschöpft in die Arbeit gehen.
Blasche, G., J. Zilic and O. Frischenschlager (2015). "Task-related increases in fatigue predict recovery time after academic stress." J Occup Health 58(1): 89-95.

Tägliches Biofeedback-Heimtraining verringert körperliche Beschwerden bei Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeit geht häufig mit Beschwerden im Nacken-Schulterbereich sowie in den Armen einher. In einer Studie der Medizinischen Universität Wien gemeinsam mit der Fachhochschule Burgenland konnten wir zeigen, dass ein 8-minütiges Biofeedback-Entspannungstraining, welches 2x täglich während der Arbeitszeit über einem Zeitraum von 8 Wochen durchgeführt wurde, geeignet ist, diese Beschwerden zu verringern sowie das Wohlbefinden zu steigern. Eine aktive Entspannung während zwei der bei Bildschirmarbeit gesetzlich vorgeschriebenen Pausen kann somit die Entwicklung von körperlichen Beschwerden Einhalt gebieten.
Blasche, G., M. Pfeffer, H. Thaler and E. Gollner (2013). "Work-site health promotion of frequent computer users: Comparing selected interventions." Work 46(3): 233-241.

Entspannen in der Mittagspause verringert Ermüdung am Nachmittag

In einer deutschen Studie konnte gezeigt werden, dass Callcenter-Mitarbeiter, die eine circa 15 minütige Entspannungsübung (Progressive Muskelentspannung) während der Mittagspause durchführen, am Nachmittag weniger müde sind als jene, die "nur" eine normale, gesellige Mittagspause abhalten. Eine Entspannungsübung scheint somit eine nachhaltigere Erholungswirkung zu haben als eine normale Pause. Diese ist zwar auch erholsam, die Erholung hält jedoch nicht so lange an.
Krajewski, J., R. Wieland, et al. (2010). "Regulating Strain States by Using the Recovery Potential of Lunch Breaks." Journal of Occupational Health Psychology 15(2): 131-139.

Die Erholungsforschung ist eine alte Disziplin, deren Ergebnisse leider vielfach in Vergessenheit geraten sind

Wir leben jetzt in einer Zeit hoher Arbeitsbelastung. Doch es gab schon einmal, vor fast 100 Jahren, Sorge um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, nämlich in der Zeit der industriellen Revolution. Damals wurde im Rahmen der angewandten Psychologie intensiv nach Maßnahmen gesucht, die Arbeitskraft und Gesundheit aufrechtzuerhalten. Der König unter diesen Maßnahmen ist die Arbeitspause. Eine Studie von Otto Graf aus dem Jahr 1923 besagt folgendes: "In sieben Versuchsreihen, die mit Hilfe der Kraepelin-Oehrn'schen Rechenhefte durchgeführt wurden, wurden unter Variation der Versuchsbedingungen die Lage und die Dauer der lohnendsten Arbeitspause innerhalb verschieden großer Arbeitsquanten geistiger Arbeit zu bestimmen versucht. Das Ergebnis der Untersuchung besteht darin, dass für Arbeitszeiten bis zu einer Stunde die günstigste Stelle zur Einschaltung einer Pause nach dem zweiten Arbeitsdrittel liegt. Als günstigste Dauer der Pause ergab sieh eine Zeit von 2 bis 3 Minuten, als Grenze 6 Minuten." Immer noch gelten die Ergebnisse dieser und ähnlicher Studien dieser Zeit: eine etwa 6 minütige Arbeitspause alle 50 Minuten erhält die geistige Leistungsfähigkeit am besten und vermeidet Ermüdung. Viel zu selten, jedoch, beachten wir diese Erkenntnis.
Graf, O. (1923). "Über lohnendste Arbeitspausen bei geistiger Arbeit." Psychologische Forschung 3(1): 428-429.

 
 
Dr. Gerhard Blasche

English

Content on this page requires a newer version of Adobe Flash Player.

Get Adobe Flash player